Mutig sein – auch in schlechten Zeiten
Welche Chancen und Risiken die Wirtschaftskrise bietet
Die aktuelle Wirtschaftskrise betrifft beide Geschlechter gleichermaßen - und doch unterschiedlich. Welche Auswirkungen sie mittelfristig für Frauen haben wird, ist noch unsicher. Wichtig bleibt für Frauen, eigene berufliche Perspektiven zu gestalten.
Wer in den letzten Wochen und Monaten die Zeitungen aufgeschlagen hat, fand darin zahlreiche schlechte Nachrichten und Prognosen. Experten sagten einen Konjunktureinbruch zwischen vier bis fünf Prozent für 2009 voraus. Der Bundesverband Großhandel, Außenhandel, Dienstleistungen (BGA) rechnete für das laufende Jahr mit einem Exportrückgang um bis zu 15 Prozent. Der Geschäftsklimaindex des Ifo-Instituts fiel mit 82,1 Punkten im März 2009 auf den tiefsten Stand seit seinem Bestehen 1991 - und hat sich seitdem nur langsam erholt. Nach der Konjunkturumfrage des Deutschen Industrie- und Handelskammertags (DIHK) erwarteten im Frühjahr fast die Hälfte der Unternehmen, dass sich ihre wirtschaftliche Lage in den nächsten Monaten verschlechtern wird. Auch hier: Der schlechteste Wert seit 1993, dem Beginn eines Rezessionsjahres. Und als Konsequenz aus der Krise plant laut „Mittelstandsmonitor 2009“ fast jedes fünfte mittelständische Unternehmen in Deutschland Entlassungen.
Die Liste solcher Hiobsbotschaften ließe sich beliebig fortsetzen. Auch wenn der Abschwung zuletzt an Tempo verlor: Das ganze Ausmaß der Wirtschaftskrise ist noch nicht bekannt. Das schafft Unsicherheiten und Ängste bei Arbeitgeberinnen und Arbeitgebern wie bei Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern. Die Auswirkungen der Krise für Frauen werden dabei noch sehr unterschiedlich bewertet. Die International Labour Organisation (ILO) erwartet in dem Bericht „Global Employment Trends for Women“ für 2009 einen weltweiten Anstieg der Anzahl arbeitsloser Frauen um bis zu 22 Millionen. In Deutschland ist vorläufig noch ein leichter Anstieg der Frauenerwerbstätigkeit zu verzeichnen, während die Arbeitslosigkeit der Männer im Vorjahresvergleich bereits um 9 Prozent zugenommen hat. Auch von Kurzarbeit sind vor allem Männer betroffen, weil die Krise insbesondere das produzierende Gewerbe betrifft, wo deutlich mehr Männer beschäftigt sind. Im September 2007 arbeiteten laut Bundesagentur für Arbeit und Statistischem Bundesamt lediglich 16,6 Prozent der Frauen im produzierenden Gewerbe, aber 44,7 Prozent der Männer.
In 20 Prozent der Mehrpersonenhaushalte erwirtschaftet die Frau den Löwenanteil des Familieneinkommens, so Professorin Ute Klammer bei einer Fachkonferenz des Bundesfamilienministeriums 2008. Diese Entwicklung wird sich in der Krise tendenziell verstärken. Frauen beschäftigen sich früher und intensiver mit der Berufsrückkehr, weil sie wissen: Auch auf ihr Einkommen kommt es an. Das Bundesfamilienministerium hat darum 2008 gemeinsam mit der Bundesagentur für Arbeit das Aktionsprogramm „Perspektive Wiedereinstieg“ gestartet.
Einige Expertinnen nehmen sogar an, dass sich die Berufsaussichten von Frauen gerade jetzt verbessern könnten. So wie die Unternehmensberaterin Monika Schulz-Strelow. Sie glaubt, dass Frauen in der Krise zunehmend Führungsaufgaben wahrnehmen könnten, weil sie anders wirtschaften und kommunizieren als Männer. „Die bislang intakten Männerstrukturen werden nicht mehr akzeptiert. Das ist eine Chance für Frauen. Denn die Menschen wollen wirkliche Veränderungen“, sagt sie. „Ein stärkeres Zusammenwirken von Frauen und Männern in Führungsgremien würde eine Menge positive Effekte haben, die wir schon lange brauchen.“ Dass Managerinnen der Unternehmenskultur nützen, hat zuletzt die Studie „Women matter“ der Unternehmensberatung McKinsey gezeigt. Dennoch, von einem Automatismus geht Monika Schulz-Strelow nicht aus. Mit dem Verein „Frauen in die Aufsichtsräte“ (FidAR), dem Monika Schulz-Strelow vorsitzt, fordert sie deshalb eine Quote von 25 Prozent weiblicher Aufsichtsräte.
Die Regierungskommission Deutscher Corporate Governance Kodex hat dazu am 29. Mai 2009 die Empfehlung gegeben, dass es zur guten Unternehmensführung gehöre, Frauen angemessen in Vorständen und Aufsichtsräten zu repräsentieren. Das Bundesfamilienministerium hat diese Empfehlung begrüßt.
„Für Frauen geht es jetzt darum, nicht härter zu arbeiten, sondern smarter“, so Monika Schultz-Strelow. Aktive Netzwerkarbeit und Selbstvermarktung seien gefordert. Frauen sollten stärker ihren Wert für das Unternehmen herausstellen. Schließlich seien Arbeitsfelder wie das Personal- und Finanzwesen, in denen Frauen stärker vertreten sind, von strategischer Bedeutung. Welche Chancen und Risiken die Wirtschaftskrise insgesamt für Frauen bietet, zeigen die weiteren Texte dieses Dossiers. Sie porträtieren Frauen, die sich in der Krise selbstständig gemacht haben, beleuchten die Möglichkeiten für Jobeinsteigerinnen und stellen Deutschlands oberste Finanzmarktkontrolleurin vor.
aus: Pressemitteilung des Internetportals
www.frauenmachenkarriere.de des Bundesministeriums für Familie, Senioren,
Jugend und Frauen vom 21.07.2009




