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11.02.09

Wirtschaftsfaktor Frau

86% ALLER FRAUEN SIND HAUSHALTSFÜHREND

(A.T. Kearney 2007). In Deutschland werden 80% aller Kon­sumgüter von Frauen gekauft (Typologie der Wünsche, 2006/07). Dennoch - Genderprodukte ä la "Shrink it and pink it" gehen am Ziel vorbei. Denn Frauen sind nicht gleich Frauen. Sie leben unterschiedlichste Lebensentwürfe, die ihre Konsumgewohn­heiten beeinflussen. Durch ein höheres frei verfügbares Ein­kommen haben junge Singlefrauen oft andere Konsumwünsche als Mütter mit Kindern, die Kaufentscheidungen nicht nur für sich selbst, sondern meist für die ganze Familie treffen. Hieß es früher noch, für Männer sei Prestige wichtig, für Frauen der Inhalt, so muss man heute umdenken. Denn mit steigendem Einkommen nimmt auch der Wunsch der Frauen nach Darstel­lung des erworbenen Status zu. Dabei greifen Frauen vielfach zu ähnlichen Produkten wie Männer. Frauen wollen ihrer Souveränität und Individualität Ausdruck verleihen. Schon im Mädchenalter üben sie sich im Gefalle n-Wolle n und legen Wert auf Ästhetik. Das gilt nicht nur für die Produkte, die sie sich kaufen, sondern auch für die Präsentation derselben. Frauen wollen sich wohl fühlen und inspirieren lassen. McDonald's hat diesen Wunsch erkannt und setzt in den McCafes auf Loungeatmosphäre. Das zahlt sich aus, der Aktienkurs ist so hoch wie nie. Auch Männer genießen den Wechsel vom Fast-Food- zum Wohlfühl-Ambiente. Denn: Angebote, die Bedürfnisse der Frauen erfüllen, übertreffen die Wünsche der Männer.

Frauen sind die heimliche Wirtschaftsmacht. Immer mehr Frauen sind erwerbstätig, und auch ihr Lohnniveau steigt stetig. In Europa sind 28% aller Unternehmer Frauen - in den USA bereits 35%. Nach Angaben der Bundesregierung steigt die Zahl der selbstständigen Frauen stärker als die der selbst­ständigen Männer. Dabei sind europäische Frauen ab 30 vor allem mit weniger als 30 Wochenstunden selbstständig (Bundes­weite Gründerinnenagentur). Flexibilität und gute Vereinbar­keit von Familie und Beruf machen die Selbstständigkeit reizvoll für Frauen. Gleichzeitig ist sie häufig einzige Alternative zur Arbeitslosigkeit.

Das Einkommen von Frauen gewinnt zunehmend an Bedeutung für den Konsum privater Haushalte. Dafür sind mehrere Faktoren verantwortlich: Der Druck, selbst für Alter und Krankheit vorzusorgen, und das Risiko des gesellschaftlichen Abstiegs steigen, wohingegen die Transferzahlungen des Staates, z. B. für Arbeits­lose, sinken. Beruflich besonders gut gestellt sind Frauen in Doppelverdienerhaushalten - rund die Hälfte dieser Frauen ver­dienen bereits ebenso viel wie ihr Partner (Allianz 2007). 31 % dieser Frauen sind sogar Haupteinkommensbezieher (Typologie der Wünsche, 2006/7). In Zukunft werden Frauen noch stärker an der weltweiten Wohlstandsbildung beteiligt sein. Die Boston Consulting Group schätzt, dass sich im Jahr 2010 rund die Hälfte des gesamten US-Vermögens in Frauenhand befinden wird. 2030 sollen es bereits zwei Drittel sein.

FRAUEN VERDIENEN IHR EIGENES GELD , aber ihr Interesse an Finanzthemen ist noch immer weniger ausgeprägt als bei Männern. Frauen sind seltener an den Finanzmärkten aktiv und tendieren dazu, Entscheidungen in Geldangelegen­heiten outzusourcen. Während fast drei Viertel der Männer über­wiegend allein über Kapitalanlagen entscheiden, tun dies nur gut die Hälfte der Frauen. Aber ihre Zahl steigt, denn in dem Maße, in dem Frauen ein höheres Einkommen und finanzielle Unabhängigkeit genießen, wächst auch ihr Selbstbewusstsein im Umgang mit Geldentscheidungen. Frauen investieren dabei weniger risikofreudig und legen mehr Wert auf Sicherheit. Unter­brechungen in der Erwerbsbiografie von Frauen, z. B. durch die Geburt von Kindern, machen Flexibilität in der Vorsorge und Geldanlage sowie individuelle Beratung für Frauen beson­ders wichtig. Darüber hinaus benötigen Frauen aufgrund ihrer höheren Lebenserwartung ein größeres Kapitalvermögen. Die Finanzberaterinnen von Svea Kuschel + Kolleginnen haben sich deshalb auf Finanzplanung mit Fokus auf die persönliche Lebenssituation von Frauen spezialisiert und gründeten das erste Finanzunternehmen für Frauen in Deutschland. Für einen besseren Finanzservice sind Frauen bereit, mehr zu zahlen, so das Vorab-Ergebnis der Ende 2008 erscheinenden Sonderstudie "Finanzen und Frauen - eine Frage der Ansprache" des Siegfried Vögele Instituts, Königstein.

In der Begeisterung für moderne Unterhaltungs­elektronik stehen Frauen den Männern nicht länger nach. Von 96 Mrd. Dollar Umsatz im Bereich Consumer-Electronics gaben Frauen in den USA 55 Mrd. Dollar aus (CEA Consumer Electronics Association 2006). 2007 hat sich die Zahl der Frauen, die ein Smartphone (z. B. Blackberry) besitzen, mit 10,4 Mio. in den USA mehr als verdoppelt. Zwei Drittel der Besitzerinnen nutzen es in erster Linie zum Vergnügen (Nielsen Mobile). Weibliche Technik-Präferenzen paaren Pragmatismus mit Emo-tionalität. Wer Frauen als Kundinnen gewinnen will, muss mit Fakten überzeugen und individuell beraten. Im Vergleich zu Männern jedoch, die eher an der Produkt-Performance interes­siert sind, ist Frauen Usability, emotionales Design und Sinn­lichkeit wichtig. Technik ist für Frauen Mittel zum Zweck: Sie wird als Enabler betrachtet und muss effizient, klar und intuitiv sein. Es geht um Erleichterung und Verfeinerung. Heute sind es weniger technische als bedientechnische Fragen, die die Kauf­entscheidung der Konsumenten beeinflussen. Nintendo Wii verspricht Einfachheit und intuitive Bedienung und baut so Technik-Ängste insbesondere bei Frauen ab. Die Nintendo Wii Fit mit Balance-Board ist insbesondere bei Frauen beliebt. Und auch Bosch hat bei der Produktentwicklung des handlichen Kompaktbohrers Ixo durch die Berücksichtigung weiblicher Forderungen die User-Experience aufgewertet. Bosch verkaufte über 3 Mio. Ixo-Bohrer, davon 60% an Frauen.

aus: "Trendstory" 14/2008, Magazin forum gelb der Deutschen Post World Net